Facebook
Twitter
Google plus

Erst- und Zweitstimme

Das Wahlsystem verstehen und richtig nutzen

Bei der Bundestagswahl hat jeder Wähler zwei Stimmen, die sogenannte Erststimme und die Zweitstimme. Grundsätzlich ist die Zweitstimme wahlentscheidend. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Dieses Wahlsystem wird oft als „personalisierte Verhältniswahl“ bezeichnet und gibt dem Wähler mit der Erststimme die Möglichkeit einen von ihm persönlich präferierten Abgeordnetenkandidaten seines Wahlkreises direkt in den Bundestag zu schicken. Mit der Zweitstimme bestimmt der Wähler im Wesentlichen die Verteilung der Sitze der Parteien im Deutschen Bundestag.

Mit seiner Erststimme kann der Wähler einen aufgestellten Direktkandidaten in seinem Wahlkreis seine Stimme geben. Deutschland ist eingeteilt in 299 Wahlkreise. Die Anzahl der Mitglieder des Bundestags beläuft sich normalerweise auf 598 Abgeordnete, die Hälfte davon wird also direkt und persönlich gewählt.

Der jeweilige Kandidat mit der relativen Mehrheit der Erststimmen in einem dieser 299 Wahlkreise zieht dann schon mal sicher in den Bundestag ein. Theoretisch könnte auch ein Kandidat, der mit 10 % der Erststimmen das relativ beste Wahlergebnis bekommen hat, in den Bundestag einziehen, wenn die anderen Kandidaten z.B. jeweils nur 9,9 % bekommen haben. Von einigen Ausnahmen abgesehen, haben nur die großen Parteien die Chance einen Direktkandidaten in den Bundestag zu schicken. Von den 299 Direktmandaten der letzten Wahl, fielen 282 auf die großen Parteien (CDU/CSU und SPD) und nur 16 auf Die Linke bzw. nur 1 auf die Grünen.

Taktisches Wählen

Wenn man in einer CSU-Hochburg in Bayern einen SPD-Kandidaten oder in einer SPD-Hochburg in NRW einen CDU-Kandidaten wählt, dann ist das in solchen Extremfällen eine bewusste Stimmverschwendung. Bei der Bundestagswahl 2009 sind immerhin bei 16 Wahlkreisen Direktmandate an die Linke und in einem Wahlkreis an die Grünen gegangen (Hans-Christian Ströbele/Wahlkreis Berlin Kreuzberg-Friedrichshain). Abhängig vom Wahlkreis bieten sich also durchaus taktische Wahlmanöver an. Das Problem der Überhangmandate bringt eine zusätzliche Dimension in das Ganze.

Beispiel:

Taktisches Wählen am Beispiel eines Wahlkreises den die Grünen dominieren: Wenn ein treuer SPD-Wähler erkennt, dass der Direktkandidat der SPD in seinem Wahlkreis keine Gewinnchancen hat, kann er auf die für ihn zweitbeste Alternative umschwenken. Obwohl er seine Zweitstimme natürlich der SPD gibt, wählt er mit der Erststimme den Kandidaten der Grünen, um so sicher zu stellen, dass ein politisch nahe stehender Kandidat den Wahlkreis gewinnt und nicht an eine dritte Partei verloren geht.