Methode Wahlwette
Der Ansatz von www.wahlwette.net ist die These, dass Schwarmintelligenz durchaus gute Voraussagen leisten kann bzw. möglicherweise könnte und leitet sich im Wesentlichen von den Erkenntnissen des „Keynesianische Schönheitswettbewerb“ ableitet. Es geht also um die Erwartung der Erwartungen anderer.
Wir haben das recht kurzfristig für die Bundestagswahl 2009 getestet. Das Ergebniss war nicht so richtig schlecht.
Die »Wahlwette zur Bundestagswahl 2009« wurde initiiert von dem Kommunikationswissenschaftler Rolf Kepper und beruht auf der Theorie einer »Schwarmintelligenz«, d. H., die Schätzungen der Wetteilnehmer, sollen eine präzisere Prognose als die der Demoskopen gestatten (www.wahlwette.net), was – mit Ausnahme der Prognose von Allensbach – auch zutraf. Quelle Junge Welt
1936 beschrieb der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes in seinem Werk “Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ das Koordinationsproblem, mit dem ein Mitbewerber konfrontiert ist, anhand des Schönheitswettbewerbsvergleiches.
Keynes ging es darum darzustellen, dass ein Wirtschaftssubjekt seine Entscheidungen nicht nur in Abhängigkeit von seiner persönlichen Wahrnehmung des wirtschaftlichen Zustandes trifft, sondern auch in Abhängigkeit vom Verhalten anderer Wirtschaftssubjekte. Keynes gab dem Modell diesen Namen in Anlehnung an frühere mit Schönheitswettbewerben verknüpfte Preisausschreiben in britischen Zeitungen.
Der Gewinn wurde bei diesen Preisausschreiben unter den Teilnehmern verlost, die unter den zur Wahl stehenden Fotos dasjenige ausgewählt hatten, das auch von den meisten anderen als das schönste ausgewählt worden war.
Ziel eines auf den Gewinn hoffenden Teilnehmers ist also nicht, das nach seinem Geschmack schönste Portrait Foto zu wählen, sondern dasjenige, dem er die höchsten Gewinnchancen zurechnet, von dem er also erwartet, dass es von den meisten anderen ausgewählt wird. Er wird außerdem in Betracht ziehen, dass auch die anderen Teilnehmer nach dem gleichen Kriterium auswählen.
Letztendlich ist ja auch jede Börse kein Ort rationaler Entscheidungen, sondern alles läuft so ab wie Germany´s Next Top Model. Tante Heidi wählt nicht diejenige, die ihr wirklich am besten gefällt, sondern die, von der sie glaubt, dass sie den meisten Zuschauern am besten gefällt.
Man kauft Aktien, weil man denkt, die anderen Leute denken, dass diese Aktie später mehr wert sein wird, als man selber glaubt, dass sie jetzt wert ist. Man könnte von einer Theorie des “Noch-größeren-Idioten” sprechen. Selbst abgrundtiefe Blödheit schadet einem nicht, solange sich irgendein anderer Volltrottel findet, der noch einen Tacken unterbelichteter ist als man selbst. RK
Wie meinte schon der alte Börsenguru Kostalany, der es ja eventuell wissen könnte, in einer Sekunde der absoluten Erleuchtung:
Die Börse hängt davon ab, ob es mehr Aktien als Idioten oder Idioten als Aktien gibt
Es handelt sich nicht darum jene auszuwählen, die nach dem eigenen Urteil wirklich die hübschesten sind, ja sogar nicht einmal jene, welche die durchschnittliche Meinung wirklich als die hübschesten betrachtet.
Wir haben den dritten Grad erreicht, wo wir unsere wie auch immer geartete Intelligenz der Vorwegnahme dessen widmen, was die durchschnittliche Meinung als das Ergebnis der durchschnittlichen Meinung erwartet. Und sicherlich gibt sogar einige, die den vierten, fünften und noch höhere Grade ausüben.Hier stellt sich natürlich auch die Frage, ob es sowas wie Schwarmdummheit gibt
Beispiele von Schwarmdummheit
Refinanzierung von Kreditnehmern (Staatshaushalte a la Griechenland)
Lehnen viele Gläubiger die Erneuerung ihrer Kredite ab, steigen die Refinanzierungskosten und der Kreditnehmer kann dadurch insolvent werden. Bei einer Verlängerung der Kredite hingegen bleiben die Kosten geringer und der Kreditnehmer kann seine Forderungen erfüllen. Die Erneuerung der Kredite lohnt sich genau dann, wenn genügend andere Gläubiger ihre Kredite erneuern.
Bank run
Ähnlich ist die Situation bei der Refinanzierung einer illiquiden, aber im Grunde solventen Bank. Soll ein Sparer seine Ersparnisse von seiner Bank abheben? Lösen viele Sparer ihre Sparkonten auf, kann die Bank Refinanzierungsprobleme haben und dadurch in die Insolvenz geraten.
Die obige Analyse erklärt intuitiv das folgende Zitat des ehemaligen Präsidenten der US Federal Reserve Bank Alan Greenspan :
Since I have become a central banker I've learned to mumble with great incoherence. If I seem unduly clear to you, you must have misunderstood what I said. (Wall Street Journal, 1987 )
Die Saarbrücker Zeitung hat für die Landtagswahl 2009 im Saarland eine Wahlwette mit einem recht erfolgreichen Resultat durchgeführt. Bei der SZ-Wahlwette hat sie bessere Prognose als alle Meinungsforschungsinstitute erreicht. Die SZ-Leser lagen 7,6 Punkte neben dem amtlichen Endergebnis, die ARD (Infratest) lag 13 Punkte daneben, die ZDF-Prognose 9 Punkte.
Landtagswahl bei der Saarbrücker-Zeitung
Mit unserer Seite wurde bei der Bundestagswahl 2009 zunächst ersmal im Ansatz eine erste Datenbasis für die sozialwissenschaftliche Erforschung von Wahlwetten geschaffen. Wahlwetten sind u.E. nicht mehr einfach als Spiel zu betreiben, sondern ein Ansatz für eine schnelle, genaue und kostengünstige Methode zur Erbebung von Daten.
Neben der systematischen Erfassung soziodemographischer Merkmale aller Mitspieler wird im Anschluss an die nächste Bundestagswahl, die u.E. im Jahr 2012 stattfinden wird, eine Online-Befragung durchgeführt werden. Das auf diese Weise dann generierte Material könnte dann als Basis für die Untersuchung von internetbasierten Wahlwetten dienen.
Die Begründungen, warum es offenbar immer wieder gelingt, präzise Wahlprognosen auf der Grundlage einer einfachen und kostengünstigen Methode zu erstellen, sind vielfältig und partiell an Theorien aus der experimentellen Ökonomie angelehnt.
Danach sind Wahlwetten in der Lage, asymmetrisch verstreute Informationen effizient zu aggregieren. Allgemein bekannt ist, dass es sich bei einem Großteil der Internetnutzer um die so genannte Informationselite handelt.
Daraus ergibt sich die Fragestellung, ob die Internet-Wahlwette möglicherweise eine Methode ist, eine Expertenbefragung zu generieren, deren Teilnehmer sich aber dabei selbst rekrutieren. Unter bestimmten Aspekten ist eine Wahlwette mit der Methodik einer Delphi-Befragung vergleichbar, wenn auch bestimmte Merkmale, wie mehrere strukturierte Befragungsrunden fehlen.
Der Trend
Politwetten werden immer beliebter und die Angebote der kommerziellen Wettbüros für Politikwetten werden häufiger.
Vor jeder Wahl kann man nicht nur auf das Wahlergebnis wetten, viele Wettanbieter werden auch eine Vielzahl an Politik Spezialwetten bieten.
So kann man beispielsweise darauf wetten, wie künftige Koalitionen gebildet werden, welche Partei Stimmenzuwächse bzw. Stimmenverluste verzeichnen wird und vieles mehr.
Der Hintergrund
Im Gegensatz zu heute waren die ersten Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg waren geprägt von einer hohen politischen Stabilität, die auf feste Bindungen der großen Volksparteien an entsprechende sozialstrukturelle Formationen zurückzuführen sind. Das Wahlverhalten war weitgehend von milieuspezifischen Verhaltensmustern bestimmt.
Beginnend mit dem sozialen Aufstieg breiter Schichten und der Bildungsexpansion der 50er und 60er Jahre hat ein umfassender Strukturwandel eingesetzt, der zu einer weitgehenden Erosion subkultureller Klassenidentitäten und einer Pluralisierung von Lebensentwürfen geführt hat. Entsprechend ist das individuelle Wahlverhalten heute nicht mehr vornehmlich sozialstrukturell geprägt und daher wechselhaft.
Wahlergebnisse schwanken weit mehr als noch vor wenigen Jahrzehnten und erschweren es damit der klassischen Demoskopie, die politische Stimmung adäquat zu erfassen, wenn sie mit Klassen- und Schichtungsmodellen operiert, deren Gehalt „angesichts von Differenzierungs- und Pluralisierungstendenzen“ zunehmend in Frage gestellt werden kann.
Die Wahrnehmumg
Die Öffentlichkeit nimmt heute die Wahlforschung weitgehend als Wissenschaft wahr, deren Arbeitsgebiet es ist, Wahlprognosen aus Umfragedaten zu erstellen. Für die akademische Wahlforschung spielt die Erstellung von Wahlprognosen eine eher untergeordnete Rolle, nicht aber für die kommerzielle Meinungsforschung, Um umfragebasierte Wahlprognosen beurteilen zu können stellt sich die Frage wie Umfragen erstellt werden und auf welchem statistischen Fundament Wahlumfragen beruhen.
Dabei wird deutlich, dass bei der praktischen Durchführung von Umfragen unvermeidliche Probleme auftreten, die zu ungenauen Wahlprognosen führen müssen. Die im Bewusstsein dieser Problematik zum Ausgleich von den meisten Meinungsforschungsinstituten angewandten Gewichtungsmodelle verletzten dabei die mathematischen Grundlagen auf denen Umfragen beruhen.
Der eigentliche Kritikpunkt ist aber, dass die Ergebnisse von Wahlumfragen, transportiert über die Massenmedien, eine Exaktheit suggerieren, die mit herkömmlichen Umfragemethoden nicht zu leisten ist.
Die Zukunft
Alles läuft hinaus auf die zukünftige Entwicklungen eines Ubiquitous Computing, einer fortschreitenden totalen Internetpenetration des gesellschaftlichen Alltags.
Das polydirektionale Kommunikationsmedium Internet schafft ideale Voraussetzungen für das Bedürfnis postmoderner Gesellschaften, die politische und kulturelle Heterogenität zu artikulieren. Das Internet schafft eine potentiell unbegrenzte Vielfalt von Öffentlichkeit, die bislang durch Selektionsmechanismen der radial operierenden Massenmedien wirksam verhindert werden konnte.
Die neue öffentliche Pluralität , die in ihrer heutigen Struktur ohne die Technologie der Computerkommunikation kaum denkbar wären., trägt in sich die Gefahren einer digitalen Spaltung der Gesellschaft in information-haves und information-not-haves.
Die Begründungen, warum es offenbar immer wieder gelingt, präzise Wahlprognosen auf der Grundlage einer einfachen und kostengünstigen Methode zu erstellen, sind vielfältig und partiell an Theorien aus der experimentellen Ökonomie angelehnt. Danach sind Wahlwetten in der Lage, asymmetrisch verstreute Informationen effizient zu aggregieren.
Allgemein bekannt ist, dass es sich bei einem Großteil der Internetnutzer um die so genannte Informationselite handelt. Daraus ergibt sich die Fragestellung, ob die Internet-Wahlwette möglicherweise eine Methode ist, eine Expertenbefragung zu generieren, deren Teilnehmer sich aber dabei selbst rekrutieren.
Unter bestimmten Aspekten ist eine Wahlwette mit der Methodik einer Delphi-Befragung vergleichbar, wenn auch bestimmte Merkmale, wie mehrere strukturierte Befragungsrunden fehlen.
Die Analyse der Wahlwetter, unterteilt nach verschiedenen soziodemographischen Daten der Teilnehmer und den Ergebnissen der Befragung nach der nächsten Bundestagswahl ( Ich wette auf Mai 2012 ) würden der Frage nachgehen, inwieweit Wahlwetter als Experten bezeichnet werden können.
Die vielfach unterstellte These, dass die Prognosen von Wahlwetten nichts weiter seien als die Darstellung mittlerer Umfragewerte, wäre dann zu erörtern. Dabei würde dann möglicherweise offenbar, dass Umfragewerte natürlich auch zur Einschätzung der politischen Stimmung herangezogen würden, aber nur einer von vielen Faktoren wären.
Anhand der festgestellten Befunde und bisher gesammelter praktischer Erfahrungen könnte es aussichtsreich erscheinen, die Prognose Qualität von Internet-Wahlwetten wesentlich zu verbessern und weitere Wahlwetten durchzuführen und experimentell zu erforschen. Das bisher vorliegende Datenmaterial reicht jedoch bei weitem nicht aus, um das Phänomen der Prognose Erstellung aufgrund eines Wettspiels abschließend wissenschaftlich beurteilen zu können, sondern sollte als erster Schritt betrachtet werden.
Zunehmend mobile Individuen machen die adäquate Durchführung einer klassischen Befragung immer schwieriger und die Deutung sozialer Phänomene in Großgruppen-Kategorien wird kontrovers diskutiert. Es ist u.E. angebracht, über neue Methoden zu reflektieren, selbst wenn sie, wie Wetten, zu simpel scheinen, um fundierte sozialwissenschaftliche Erkenntnisse generieren zu können.
Im Moment scheint allerdings das Format der Gewinner zu sein . Der amerikanische Rechtsanwalt Jarvis wirbt für eine Medienrevolution, die tagtäglich radikales Umdenken in den Medien propagiert. In seinem Blog Buzzmachine wirbt er seit Jahren unermüdlich und begeistert für den Wandel zu einer neuen informierten, engagierten partizipatorischen Öffentlichkeit: für Blogs, für Bürgerjournalisten, für den Tod der traditionellen Zeitungsformate, die Information von oben nach unten delegieren. Hört sich ja erstmal garnicht so nicht so schlecht an, wenn da nicht die Realität wäre.
Jarvis ist für klar verlaufende Informationsströme auf “Augenhöhe”, wie man jetzt so gerne sagt. Der Informationsaustausch dürfe von keinem Dünkel und von keiner falsch verstandenen Hierarchie gebremst werden. Jarvis weiß sich damit in einer größeren Bewegung von jüngeren Mitbürgern / Weltbürgern, die genau das von ihren Politikern fordern: Transparenz und Authentizität. Dabei soll dann aber ausgerechnet YouTube (!!! Im Besitz von Big Brother Google) in dieser Perspektive wesentlich zur Aufklärung beitragen und das wahre Gesicht der Politiker zeigen. Na ja – wir kieken ma.
