Die Idee Wahlwette

Wie wird das Ergebnis der nächsten Wahl ausfallen? Was glauben Sie? Geben Sie Ihren persönlichen Tipp ab und nehmen Sie an unserem Experiment zur Schwarmintelligenz teil. Die Frage, deren Antwort wir suchen, lautet: Wie genau sind Voraussagen der kollektiven Intelligenz?

Schwarmintelligenz, die Weisheit der Vielen

Der Begriff Schwarmintelligenz ist schon länger in aller Munde. Er beschreibt das Phänomen, dass die Summe vieler einzelner Meinungen, auch wenn sie untereinander stark von einander abweichen, im Durchschnitt sehr nah an die tatsächliche Realität heranreicht. Auf Wahlen bezogen sorgt dieses Prinzip dafür, dass auf Basis vieler unterschiedlicher Ergebnisvoraussagen das tatsächliche Wahlergebnis sehr genau prognostiziert werden kann.

Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zu herkömmlichen Wahlumfragen, die von verschiedenen Umfrageinstituten regelmäßig durchgeführt werden. Dort heißt die Frage nämlich: Welche Partei würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Wahl wäre? Bei der Wahlwette hingegen wird gefragt: Wie denken Sie, wird das Wahlergebnis der nächsten Wahl ausfallen? Es wird also nicht die politische Orientierung des Befragten anvisiert, sondern seine Einschätzung, wie sich die Gesamtheit der Bevölkerung positionieren wird.

Beispiele von Gruppenentscheidungen

Aus der Wirtschaftstheorie ist der von John M. Keynes entwickelte Schönheitswettbewerb bekannt, der beweisen soll, dass menschliche Entscheidungen in wirtschaftlichen Fragen nicht so sehr von eigenen Einschätzungen abhängen, sondern vielmehr von den vermuteten Einschätzungen aller Beteiligten. Keynes benutzte zur Verdeutlichung ein Preisausschreiben zu einem Schönheitswettbewerb, bei dem derjenige gewinnt, der das Foto auswählt, das auch von den meisten anderen Teilnehmern als schönstes gewählt wurde.

Ein Teilnehmer, der das Preisausschreiben gewinnen möchte, wird also nicht das nach eigenem Geschmack schönste Foto wählen, sondern das mit der höchsten Gewinnchance, also das, von dem er erwartet, dass es auch von den anderen Teilnehmern ausgewählt wird. Zudem wird er möglicherweise in Betracht ziehen, dass andere Teilnehmer nach dem gleichen Kriterium auswählen. So steht eine komplexe Reflektion über die Situtation vor der eigentlichen Entscheidung.

Dieser Prozess lässt sich auch sehr gut am Aktienmarkt beobachten. Nicht selten werden Aktien entgegen rationeller Erkenntnisse gekauft, nur auf Grund der Meinung, dass andere Marktteilnehmer diese Aktie für wertvoller halten, als man selbst und man dies zum eigenen Vorteil ausnutzen kann.

Ein weiteres Beispiel für die Weisheit der Vielen wurde von Francis Galton, einem französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, beschrieben. Er wollte nämlich auf einem Viehmarkt, anlässlich eines Schätzspiels bezüglich des Schlachtgewichts eines Ochsen, beweisen, wie dumm die Masse ist. Dazu notierte er die Schätzungen aller Teilnehmer, um dann festzustellen, dass die Summe aller abgegebenen Schätzungen ziemlich genau das tatsächliche Gewicht traf. Die meisten Tipps stammten von einfachen Marktbesuchern, also fachlichen Laien. Dennoch war der Durchschnittswert sogar besser, als der von anwesenden Fachleuten, wie z.B. Viehzüchtern und Metzgern.

Wie kommt es zu genauen Wahlprognosen durch eine Wette?

Die Antwort steckt in jedem Individuum, das durch Teilnahme an einer Wahlwette ein Stück Information frei werden lässt. Jeder Mensch bewegt sich in bestimmten sozialen Kreisen, seiner Familie, seiner Freunde, seinem Fußball- oder Kleingartenverein. Gleichzeitig versorgt er sich mit spezifischen Informationen, er liest Zeitungen, schaut fern, schnappt Gespräche auf und diskutiert mit Verwandten, Freunden und Kollegen. Aus alldem bildet sich eine Ahnung über die politische Lage – allerdings nicht der wirklichen, sondern seiner ganz persönlichen. Natürlich färben diese individuellen Eindrücke das Empfinden für den Wahlausgang. Machen genügend Menschen bei einer Wahlwette mit, verschwimmen die subjektiven Eindrücke zu einem Gesamtbild der Wirklichkeit.

Der Mittelwert bringt all diese Eindrücke zusammen und wiegt sie gegeneinander auf. Für eine gute Schätzung des Wahlausgangs müssen die Personen jedoch über ein Mindestmaß an Information verfügen. Sind sie völlig ahnungslos, kann auch der Mittelwert nichts mehr ausrichten.

Wahlumfrage vs. Wahlwette

Die Öffentlichkeit nimmt die Wahlforschung als exakte Wissenschaft wahr. Für die akademische Wahlforschung spielt die Erstellung von Wahlprognosen jedoch nur eine untergeordnete Rolle, nicht jedoch für die kommerzielle Meinungsforschung. Die Qualität umfragebasierter Wahlprognosen hängt zudem stark vom statistischen Fundament und der praktischen Durchführung der Umfrage ab. Die dabei unvermeidlich auftretenden Probleme müssen regelmäßig zu ungenauen Prognosen führen.

Unser eigentlicher Kritikpunkt ist aber, dass die Ergebnisse von Wahlumfragen, transportiert über die Massenmedien, eine Exaktheit suggerieren, die mit herkömmlichen Umfragemethoden nicht zu leisten ist. Hier möchte die Idee Wahlwette ansetzen und einen zusätzlichen neuen Weg anbieten, um den Ausgang von Wahlen zu prognostizieren.

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